Albert Reinhardt

24. Dezember 1891, Hohenfluß (Vysoký Potok) – 20. Januar 1943
Albert Reinhardt

Aufnahme von Albert Reinhardt

Bundesarchiv R 3017/40656

Albert Reinhardt wächst als Sohn eines Waldar­beiters in einer kinder­reichen Familie in den Sudeten auf, die zur volksdeut­schen Minder­heit gehört. Nach der Volks­schule beginnt er eine Spengler­lehre, die er jedoch aus gesund­heitlichen Gründen aufgeben muss. an­schließend ist er als Arbeiter in verschiedenen Betrie­ben tätig. 1912 wird er zum Militär­dienst eingezo­gen, nimmt am Ersten Welt­krieg teil und dient bis 1919, zuletzt als Stabsfeld­webel. Von 1932 bis 1935 gehört er der Sozial­demokra­tischen Partei der Tschecho­slowakei (SPČ) an, nach der Annexi­on der Sudeten durch das Deutsche Reich tritt er 1939 in die Sudeten­deutsche Partei (SdP) ein.
Im März 1938 lässt er sich für den tsche­chischen Nach­richten­dienst anwerben und fährt bis September 1938 wiederholt ins deutsche Grenzgebiet, um Mobilma­chungs­maßnahmen des Deutschen Reichs zu erkunden und darüber Bericht zu erstatten.
Nach der Besetzung der böhmischen Länder durch die Wehrmacht wird Albert Reinhardt am 19. Januar 1942 festgenommen, am 29. September 1942 vom „Volksge­richtshof” wegen „Landes­verrats” zum Tode verurteilt und am 20. Januar 1943 im Straf­gefängnis Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Albert Reinhardt

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-42-5

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Albert Reinhardt vom 29. September 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-42-4

Berlin-Plötzensee, den 24/10.1942

Albert Reinhardt

An Unseren lieben Führer u. Reichskanzler Herrn Adolf Hitler.

Gnadengesuch

Ich Strafgefangener Albert Reinhardt geb. 24/12.1891 zu Hohenfluß wurde am 29/9. zum Tode wegen Landesverrat verurteilt. Ich war seinerzeit Chechischer Statsangehöriger u. schmugelte Sacharin von Deutschland in die Chechoslowakei um meine Familie zu ernähren da ich nur so gelegenheitsarbeit hatte. Durch eine Anzeige erfuhr die Chechische Gendarmerie es, und zwangen mich mit Gewalt zu dieser Tat. Im März 1938 kam ein Oberwachmeister zu mir u. wollte mich verhaften. Wir nehmen von diesen Verfahren abstand, aber Sie müssen uns auch einen Dienst erweisen hie u. da einmal nach Deutschland fahren. Ich werde Sie mit einem Herrn bekannt machen der wird Ihnen einen Auftrag erteilen. Ich sagte für im, daß dies ein gefährliches Spiel ist und da lachten Sie mich aus und meinten es könne mir nichts passieren. Ich bat Sie mögen mich nicht zu dieser Arbeit zwingen, da ich meine Familie nicht ins Unglück stürzen will. Sie überredeten mich so lange bis ich weder ein noch aus wußte u. machte dann diese Tat. Ich machte gröstenteils unwahre angaben, da ich das
Deutsche Volk nicht verraten wollte. Als Sie mir darauf kamen droten Sie mir mit der sofortigen Verhaftung wieder. Ich sagte dann wenn Sie mich noch einmal schicken, bleibe ich im Reich. Da gaben Sie mir darauf Antwort, da haben wir ihre Familie hier als Geiseln und da kommen Sie wieder zurück, und lassen die Familie nicht im Stich. Ich tat dies nicht aus gewinnsucht, sondern ich wurde mit Gewalt zu dieser Tat gezwungen.
Ich habe 6 Kinder davon sind 4 eigene u. 2 Stieftöchter, u. eine kranke Arbeitsunfähige Frau zuhaus. Der eine Sohn kämpft in Rußland u. der zweite in Afrika.
Meine Kinder sind im Alter von 10 bis 20 Jahren. Es währen dann alle Vollweisen da es die Stiefmutter zu den Kindern ist außer dem kleinen. Ich stamme aus einer Achtsamen Kinderreichen Familie. Ich habe so lang ich Lebe nur immer gekämpft mit Noht und elend Kummer u. Sorgen u. jetzt wo es mir etwas besser ging ereilt mich jetzt dieses Schicksahl. Ich meldete mich zur Arbeit ins Reich und arbeitete ein Jahr auf der Reichsautobahn. Laut Aufruf des Reichsminister Dr. Todt meldeten wir uns zwei Kameraden am Westwall. Als es los ginng mit Belgien u. Frankreich wurden wir als Frontarbeiter eingesetzt u. arbeiteten ständig unter feindlicher einwirkung bis zur Verhaftung. Mein bestreben war und ist, mich nützlich zu zeigen an der Front was ich durch Anwalt der Chechen schlecht gemacht habe um den Endsieg helfen zu erreichen für unseren lieben Führer u Großdeutschland. Ich bitte im Nahmen meiner Frau sowie den lieben Kindern, unseren lieben Führer nochmals innigst um Gnade.

Der Strafgefangene
Albert Reinhardt

Gnadengesuch von Albert Reinhardt vom 24. Oktober 1942

Bundesarchiv R 3017/40656

Bekanntmachung der Vollstreckung des Urteils gegen Albert Reinhardt vom 20. Januar 1943

Bundesarchiv R 3018/5051

Sterbeurkunde von Albert Reinhardt vom 21. Januar 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

zurück