Franz Reiter

28. April 1903, Munderfing – 6. Januar 1940
Franz Reiter

Franz Reiter

Verein Lila Winkel, Österreich

Franz Reiter kommt als Sohn einer Bauernfamilie zur Welt. Er erlernt das Handwerk eines Schmieds, arbeitet jedoch nicht in diesem Beruf. 1928 zieht er nach Salz­burg, wo er als Schankbursche tätig ist.
1929 tritt Franz Reiter aus der katholischen Kirche aus und schließt sich den Zeugen Jehovas an. Aus religiösen Gründen verweigert er nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges den Militärdienst und den Eid auf Hitler.
Nach der bereits am 26. August 1939 in Kraft getretenen „Kriegssonderstrafrechts­verordnung” wird die Verwei­gerung des Wehrdienstes als „Zersetzung der Wehrkraft” geahndet und kann mit dem Tode bestraft werden.
Franz Reiter wird am 5. Oktober 1939 vom Oberreichs­kriegsanwalt angeklagt und am 23. November vom Reichs­kriegsgericht zum Tode verurteilt. Gemeinsam mit vier weiteren österreichischen Zeugen Jehovas wird er am 6. Januar 1940 im Strafgefängnis Plötzensee ermor­det.

Dokumente

Gefangenenkarte von Franz Reiter

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Meine liebe Mutter und lieben Geschwister!
In meinem Glauben bin ich fest überzeugt, daß ich richtig handle. Ich hätte mich hier noch ändern können, aber das wäre Untreue bei Gott. Wir alle wollen Gott treu sein zu seiner Ehre. Wenn ich den Schwur [militärischen Eid] gemacht hätte, in meiner Erkenntnis so würde ich eine Todsünde begangen haben. Das wäre ein Übel für mich, es gäbe für mich keine Auferstehung. Ich halte mich aber daran, was Christus sagte: „Wer das Leben sucht, der wird es verlieren, und wer es verliert um meinetwillen, der wird es erhalten“.
Und nun meine liebe Mutter und alle Geschwister, ich habe heute mein Urteil erhalten und erschreckt nicht, es lautet auf Tod und wird morgen früh ausgeführt. Ich habe meine Stärke von Gott erhalten, wie es auch jedem wahren Christen ergangen ist, von jeher. Die Apostel schreiben: „Wer von Gott geboren ist, kann nicht sündigen“ und so auch ich. Das habe ich euch bezeugt und [ihr] habt es erkennen können. Meine Lieben alle, macht euch kein schweres Herz. Es wäre für euch alle gut, die heilige Schrift besser zu kennen. Wenn ihr alle standhaft seid bis in den Tod, so können wir uns ja bei der Auferstehung wiedersehen.
Ich empfehle meinen Geist dem Höchsten, der darüber verfügt.
Liebe Mutter und Geschwister seid nun stark im Herrn, daß ihr auch würdig werdet des ewigen Lebens, das für die ist, die nach der Gerechtigkeit dürstet.
Und zum Schluss, seid alle gegrüßt in Christo und dem Vater, dem Höchsten.

Euer Franz
Auf Wiedersehen!

Abschiedsbrief von Franz Reiter an seine Mutter, 6. Januar 1940

Verein Lila Winkel, Österreich

Sterbeurkunde von Franz Reiter vom 1. Januar 1940

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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