Melanie Risch
Wie auch ihr Mann steht sie dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber. Beide kritisieren in ihrem privaten und beruflichen Umfeld die Entrechung und Verfolgung von Juden und Jüdinnen und äußern sich negativ über die NS-Führung. Eduard Risch wird im März 1939 vom Sondergericht Mannheim wegen Heimtücke zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Melanie Risch äußert sich nach 1939 gegenüber ihren Mitarbeiterinnen immer wieder gegen den Krieg und wird schließlich denunziert. Das Ehepaar wird am 16. August 1943 festgenommen.
Am 25. Oktober 1943 werden Melanie und Eduard Risch vom „Volksgerichtshof” wegen „Wehrkraftzersetzung” zum Tode verurteilt. Melanie Risch wird am 27. Januar 1944 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.
Eduard Risch wird am 21. Februar 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Melanie Risch
Landesarchiv Berlin A Rep. 369 Kartei
Haftbefehl für Melanie Risch, 20. August 1943
Bundesarchiv R 3017/34287
Anklageschrift gegen Melanie und Eduard Risch, 8. Oktober 1943
Bundesarchiv R 3017/34287
Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Melanie und Eduard Risch
Bundesarchiv R 3017/34287
Mein lieber guter Eduard, Dein Liebes Brieflein mit grosser Freude erhalten. Ja ich glaube Dir daß mein Schreiben Dich erschüttert hat. Es geht mir genauso. Nun ist Weihnachten, und Dein Geburtstag vorbei und ein neues Jahr hat angefangen, also was für ein trauriges, für uns beide, was wird es uns bringen, wahrscheinlich nichts Gutes. Mein Lieber Eduard was soll ich Dir und mir wünschen? Daß das Gnadengesuch durchgeht, und wir beide begnadigt werden. Sollte es aber nicht der Fall sein, dann in
Gottesnamen ist nichts daran zu ändern und wir gehen zusammen in den Tod.
Wir lassen nun das Schicksal walten. Schade daß wir einander vor dem Tode nicht mehr sehen dürfen. Jemand anders wünsche ich nicht mehr zu sehen. Mein Lieber, auch ich denke mit Sehnsucht unserer schönen Heimat, aller unserer Lieben in Konstanz, meinem schönen Heim, wo wir so schön gelebt haben und friedlich
auch sind mir immer unserer Eltern Gräber vor meinen Augen, wo wir so oft des Sontags hingewandert sind, und nun dieses Los, dieses traurige. Ich muß mich als wieder zusammen raffen, sonst bleibe ich nicht stark, und das darf nicht sein. Die Hoffnung muß man immer ein bischen vor sich haben, sonst ist man ganz verloren. Ja mein lieber Eduard, die wo uns das angetan, können es nicht verantworten, wo wir beide uns immer das gute gethan haben. Sonst geht es mir wie Dir mein Lieber, bekomme auch sehr viel zu lesen, aber ich würde lieber arbeiten, der Tag ginge viel schneller vorbei, und die Gedanken würden verscheucht. Auch verliere ich es immer ein bischen. Das andere alles hast Du so schon recht gemacht, hoffentlich streiten die sich nicht wo es ums verteilen ginge. Paula habe ich noch nicht schreiben können, ich darf nicht soviel wie Du, das war das zweite mal und nur an Dich, finde ich es ist für Dich auch lieber Schreibe Du halt Paula, und lasse Sie von mir grüßen, und gebe Ihr meine Waffe. So nun mein Lieber, wann ich Dir wieder schreiben darf weiß ich nicht, vielleicht auch nicht mehr, dann haben wir für Ewig Ruhe, so Lebe wohl und meine letzten Gedanken sind immer bei Dir verbunden mit vielen herzlichen Küssen
Deine Mela. Petrola tut
mir leid.
Brief von Melanie an Eduard Risch aus der Haft, 1. Januar 1944
Bundesarchiv R 3017/40762




















