Josef Röhlich

31. Dezember 1897, Prag – 1. Februar 1943
Josef Röhlich

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Josef Röhlich, 1941

Militärhistorisches Archiv, Prag Fond Deutsche Gerichtsakten – Widerstand in ČSR 1939–1945, k./K. 37, inv. č./Inv. Nr. 227/2

Der Bergarbeiter Josef Röhlich gehört seit 1922 der Kommunisti­schen Partei der Tschecho­slowakei (KPČ) an und fungiert seit 1925 als Gemeinde­vertreter und Obmann der Ortsgruppe Schwaz.
Im Februar 1940 – nach der Annexion der Sudeten durch das Deutsche Reich und dem Verbot der Kom­munisti­schen Partei der Tschecho­slowa­kei (KPČ) – gewinnt ihn ein Kollege, der eine kommu­nistische Betriebs­zelle gegründet hat, für die Mitarbeit in der illegalen KPČ. Ende 1940 wird Josef Röhlich Gebietsin­strukteur für Brüx-Teplitz. Bis zu seiner Festnahme am 31. März 1941 erhält er wiederholt Flug­schriften zur Verteilung unter der Beleg­schaft, führt Mitglieds­beiträge ab und unter­nimmt im Auftrag von Erhard Lammel eine Reise nach Aussig, bei der er unter anderem Rudolf Kudrna in Hosto­mitz zur Mitarbeit auffordert.
Am 14. Oktober 1942 verurteilt der „Volks­gerichts­hof” Josef Röhlich zusam­men mit Erhard Lammel, Rudolf Kudrna und zwei weiteren Ange­klagten wegen „Vorbe­reitung zum Hoch­verrat” zum Tode. Alle fünf Männer werden am 1. Februar 1943 im Straf­gefängnis Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte des Strafgefängnisses Plötzensee von Josef Röhlich

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Röhlich Josef
Gef.-B.-Nr. 3194/42

Berlin NW 40, den 13. Oktober 1942
Alt-Moabit 12a


Liebe Rosel und mein lieber Junge schreibe euch ein Tag vor meiner Verhandlung da wir am 14. Oktober 11 Uhr vormitag HaubtVerhandlung haben glaube daß euch mein Rechtsanwalt verständigt hatt da ich es Ihm geschrieben habe er soll es euch miteilen, deinen Brief von 21./9 Liebe Rosel habe ich am 3.10. erhalten, aber dein versprechen hällst du nicht ein haubtsache ist die und das freund freud mich auch immer das Ihr alle gesund seid das ist immer die größte freude, das weis ich Liebe Rosel das wir ein sehr bitteres Leben hinter uns haben wenn mann so zurück denkt hatten wir manche bittere Stunde mitgemacht ist alles vorbei seien wir froh Liebe Rosel das es wir hinter uns haben, dann wollte ich dich fragen wie ist es mit deiner Unterstützung denn du mußt deine Unterstützung weiter beziehen, trotzdem das der Rudi Ausgelernt hatt, dann muß ich dir auch sagen das ich keine große freude hatte in dein schreiben da ich herrausgenomen habe daß du dich über Rudi sehr

kränken tust, das es dir bitter ist das der Rudi jetzt schon dir schwirikkeiten macht denn du warst immer Liebe Rosel gegen Rudi sehr schwach glaube es dir das es dir sehr leid ist, hoffe aber das du es doch so weit bringen wirst und alles wieder gut gemacht wird denn denn der Rudi wird sich doch noch was sagen lassen, um dir nachzufolgen, dann schreibst du mir auch ich soll dir etwas schönes schreiben Liebe Rosel was soll ich dir schönes schreiben ja es wäre viel zu schreiben und auch schönes das Papier wäre viel zu klein um alles schöne schreiben zu können. Was halltest du von Aussig die haben noch nicht geschrieben denn die haben uns sehr viel leid angetan und werden nicht die möglichkeit haben das alles wieder gut machen zu können nier für mich ist es sehr bitter das die mit beigetragen haben unsere leiden zu vergrößern weis nicht was ich über den Anton, und Jarmila, sagen soll, über den Vater spreche da garnicht da er krank ist. Liebe Rosel wie du auch schreibst wolltest du mich aufsuchen uns einmal sehen zu können so glaube ich das es zu weit ist bis nach Berlin zu kommen besser du bist zu Hause, wie ist es mit denen Fuß gehst du Arbeiten glaube nicht denn bei dir ist es nicht möglich

hoffe das du alle meine Briefe erhalten hast hast du das Paket bekommen was zurück geschickt wurde, das hatt mich sehr geärgernt daß das Paket früher angekommen ist wie ich. Liebe Rosel und Lieber Rudi will dir wie gewöhnlich ein baar zeilen an dich richten und müßt dir sagen das ich mit dir nicht zu frieden bin da sich die Mammie in Ihren Brief Ihr leid geklagt hatt gegen dich lege auf dich Lieber Rudi einen großen Wehrt das du der Mammie für die Zukunft keine weiteren schmerzen verursacht da es die Mammie nicht verdient, denn deine Aufgabe sollte und deine Pflicht sollte sein der Mammie Ihre leiden und schmerzen die Sie ertragen muß zu erleichtern Ihr mehr Liebe zeigen um die Mammie zu Überzeugen mit deiner Liebe und Gutheit dann wird sich die Mammie bestimmt mit dir zufrieden geben so hoffe ich auch von dir Lieber Rudi das du mir das heilig versprechen wirst der Mammi weiteren größere leider und kummer zubereiten, so verlange ich von dir Lieber Rudi in deinen nächsten Brief mir das versprechen zu geben. An dich Lieber Jarka danke ich dir das du mir das Wörterbuch besorgen wirst wegen meiner Sache habe ich meinen Rechtsanwalt bis jetzt einmal in Dresden gesprochen

baar Minuten glaube 10 Minuten, dann habe ich Ihm geschrieben über meinen Verhandlungstag auch über meine Kosten habe bis jetzt noch keine Antwort von Ihm bekommen dann war er auch in Berlin meine Akten durchzulesen, werde meinen Rechtsanwalt erst bei der Verhandlung sehen und sprechen können die Kosten werden viel höher kommen als wie ich geschätzt habe hatt dir mein Rechtsanwalt nicht geschrieben das ich am 14. Oktober um 11 Uhr Vormittag HaubtVerhandlung Volksgerichtshof habe, weis nicht wie das Schiksal sich wenden wird mann muß es nehmen wie es komt ob hart oder weich hoffen wir Lieber Jarka das es doch etwas Milder ausfällt, wann du diesen Brief lesen wirst wird schon unserer Entscheidungstag lägst vorüber sein, hast du das Gesuch geschrieben nach Ichtershausen wegen die Erlaubnis das Ihr mir den Rock schicken könnt jetzt bin ich wieder in Berlin, heist jetzt abwarten bis ich euch wieder schreiben werden. Wie geht es der Mutter, Mario, Janik und euch allen schreibe mir wieder einmal, wann du Zeit haben wirst wie war es Fest bei euch hoffe gut habe vergessen zwei sehr gute Rezepte über Kartoffel zu schreiben bei den nachsten Brief mit gruß Jos.

Brief von Josef Röhlich aus dem Untersuchungsgefängnis Moabit an seine Frau vom 13. Oktober 1942

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Nr. 3626

Urteil des „Volks­gerichtshofs” gegen Erhard Lammel und andere vom 14. Oktober 1942

Militärhistorisches Archiv, Prag Deutsche Gerichtsakten – Widerstand in ČSR 1939–1945, k./K. 37, inv. č./Inv. Nr. 227/2

Gnadengesuch der Angehörigen von Josef Röhlich vom 27. Oktober 1942

Militärhistorisches Archiv, Prag Deutsche Gerichtsakten – Widerstand in ČSR 1939–1945, k./K. 37, inv. č./Inv. Nr. 227/2

Bekanntmachung der Vollstreckung des Urteils gegen Josef Röhlich und weitere Personen vom Februar 1943

Militärhistorisches Archiv, Prag Deutsche Gerichtsakten – Widerstand in ČSR 1939–1945, k./K. 37, inv. č./Inv. Nr. 227/1

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