Siegbert Rotholz

14. September 1919, Berlin – 4. März 1943
Siegbert Rotholz

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Siegbert Rotholz

Bundesarchiv 6319 N

Von klein auf ist Siegbert Rotholz, der aus einer Groß­familie stammt, in jüdischen Jugend­organi­sationen aktiv. 1933 tritt er dem zionistischen Jugend­bund Habonim bei, der im November 1938 zwangs­weise aufgelöst wird. Da er aufgrund seiner jüdischen Herkunft keinen höhe­ren Schulab­schluss erlangen kann, ist Rotholz zunächst als Hilfs­arbeiter in einer Polsterei und dann als Haus­diener in der Konfektion tätig.
Im Anschluss absolviert er über zweiein­halb Jahre außer­halb Berlins einen Hach­schara-Lehrgang, eine land­wirt­schaftliche Ausbildung, um sich auf die Auswan­derung nach Palästina vorzubereiten. Die Emigration gelingt ihm jedoch nicht.
Im Oktober 1940 lernt Siegbert Rotholz Lotte Jastrow kennen. Auch sie ist jüdischer Herkunft. Im Dezember 1941 heiraten die beiden. Spätestens seit dem Frühjahr 1941 sind Siegbert und Lotte Rotholz Teil des Diskus­sions- und Schulungs­kreises um Heinz und Marianne Joachim, der zum weiteren Umfeld der kommunisti­schen Widerstands­gruppe um Herbert Baum gehört.
Nach einem Brandanschlag durch Mitglieder der Baum-Gruppe auf die national­sozialis­tische Propa­ganda­aus­stellung „Das Sowjet­paradies” am 18. Mai 1942 wird die Gruppe enttarnt. Auch Siegbert Rotholz und seine Frau Lotte werden verhaftet.
Siegbert Rotholz wird am 10. Dezember 1942 vom „Volks­gerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 4. März 1943 in Plötzensee ermordet. Seine Ehefrau Lotte Rotholz, zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, wird am 14. Oktober 1943 nach Auschwitz deportiert und dort getötet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Siegbert Rotholz

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Siegbert Rotholz und andere Angehörige der Gruppe um Herbert Baum, 10. Dezember 1942

Bundesarchiv R 3017/33975

Berlin-Plötzensee, den 4.3.1943

Liebe Betty!
Du wirst Dich wundern, von mir einen
Brief zu bekommen.Es ist der erste und
Letzte den ich Dir schreibe. Ich verreise heute
Abend um 6.30 Uhr für immer. Da ich nicht
weiß, wer von meinen Lieben noch da
ist, bitte ich Dich, alle, die Du noch siehst,
von mir zu grüßen, vor allem aber
meine liebe Schwiegermutter. Ich danke ihr
für all das Gute, was sie an mir getan
hat. Sie möchte mir nicht böse sein.
Denn ich möchte nicht sterben, bevor ich mich
bei allen entschuldigt habe, bei denen ich
es nötig habe. Worum ich Dich aber am
meisten bitte, ist, daß Du mein
Lottchen nicht vergißt. Du wirst vielleicht
die einzige sein, der die Möglichkeit hat.
An meine Schwester habe ich nicht geschrieben,
denn ich glaube, sie wird ja nicht mehr
da sein, und ich bin viel zu aufgeregt, jetzt
viel zu schreiben. Also sei deshalb viel-
mals gegrüßt von
Sigi Rotholz

PS: Du würdest mir einen großen
Gefallen tun, wenn Du
meinen Onkel benachrichtigst.
Seine Adresse ist: Karl Marggraf
Berlin-Neukölln
Allerstr. 36
Und nicht mein Ottchen vergessen.
Grüße an alle, die nach mir fragen Sigi

Abschiedsbrief von Siegbert Rotholz an seine Cousine Betty, 4. März 1943

Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Ablehnung eines Gnadenerweises für Siegbert Rotholz und andere Angehörige der Gruppe um Herbert Baum, 19. Februar 1943

Bundesarchiv R 3017/33975

Bekanntmachung der Hinrichtung von Angehörigen der Gruppe um Herbert Baum, 4. März 1943

Bundesarchiv R 3018/1642

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