Léonard Rust
Nach dem Ende des Krieges zieht Rust nach Mülhausen. Durch den Abtritt des Elsass an Frankreich erhält Rust 1921 die französische Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr wird er für den französischen Geheimdienst ange­worben, erhält jedoch nur einen kurzzeitigen Auftrag. Ab 1934 beteiligt sich Rust am landwirtschaftlichen Betrieb seines Schwiegervaters.
Nach dem Attentatsversuch auf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller am 8. November 1939 erklärt der Elsässer Louis Schmitt in einer Gaststätte in Mülhausen, dass er bereit sei, ebenfalls einen Anschlag zu versuchen. Rust berät Schmitt bei der Suche nach finanzieller Unter­stützung für das Vorhaben.
Rust wird am 14. August 1940 festgenommen. Der „Volksgerichtshof“ verurteilt ihn wegen „Verbrechens gegen § 5 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ am 15. Oktober 1941 zum Tode.
Léonard Rust wird am 30. Januar 1942 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Léonard Rust
Landesarchiv Berlin A Rep. 369, Kartei
Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Léonard Rust und Louis Schmitt, 15. Oktober 1941
Bundesarchiv R 3017/18361
Ablehnung des Gnadengesuchs von Léonard Rust, 17. Januar 1942
Bundesarchiv R 3017/18358
Königsdamm 7
Mein lieber Bruder!
Wenn wir nur im Leben nicht all zu viel gesehen haben, was auf gewisse Umstände zurückzuführen ist, so will ich deiner noch gern gedenken in den letzten Stunden meines Lebens. -
Unser Herrgott hat über mein Schicksal entschieden ich werde somit in 2-3 Stunden von hier bei Ihm sein. - Ich bin auf meinen Tod gut vorbereitet und werde, da es Gottes Wille ist zu Ihm in’s bessere Jenseits gehen, wo ich unsere Lieben die mir im Tode vorangegangen sind freudig wiedersehen werde. - Über den den Verlauf meiner Verurteilung darf ich dir nicht’s genaues berichten
jedoch kann dir eventuell mein Anwalt von Mülhausen näheres berichten, oder Herr Commissaire [Ih___?] „Wisler“ dem ich im November 1939 meinen Fall „Schmitt anbot. -
Ich bin nicht das Opfer reiner Denunziation geworden, es dürfen daher keine Persönlichkeiten verdächtigt werden. - Herr Wiesler kann, wenn er will, dir bei Gelegenheit sagen was getan wurde. - So gut ich solches erfahren habe wird er ja auch wissen was geschehen ist. - Dieser Herr ist selbstredend im unbesetzten Gebiet nur Berg und Tal kennend nicht zusammen, aber vielmals [Leute ?]. -
Ich habe soeben meiner lb. Frau einen Abschiedsbrief geschrieben und meinen Wunsch ausgedrückt, daß Sie in gutem Einvernehmen mit dir lebt, das heist daß Sie sich auf guten Fuß mit dir stellt, denn ich
war nie ein Freund von Unfrieden. - Du kannst Ihr eventuell auch eine Stütze sein für eine spätere Gelegenheit. - Ich meine hiermit nicht in Erbschaftssachen. - Du wirst dann von mir noch ca 1400. M. zu gut die Du nach Erledigung von allem erhalten sollst, es ist dies mein letzter Wunsch. - Habe Emilie hiervon nicht berichtet es wird auch so gut sein. - Was das Denkmal von Vater anbelangt so wünsche ich auch, daß Emilie nach dem Krieg die Hälfte der Entstehungskosten auf sich nimmt, auch über diesen Punkt habe ich Sie nicht informiert. - Ich glaube Dir nun das Allernotwendigste mittgeteilt zu haben. Ich gebe Dir hier eine Adresse von einer Person die Dir später mitteilen kann wie meine Sache in’s rollen kam, diese ist die Schwester meiner Mitangeklagten und wird Dir besser dienen können als jeder andere.
Melle [Mlle] Jutta Schmitt, 186 rue de Rivoli 186
Paris 1er (Seine).
So laß mich Dich zum Schluß noch um Verzeihung bitten, wenn ich Dir im Leben Unangenehmes bereitet habe. - Ich habe ja auf dieser Welt viel zu leiden gehabt, so wird es mir im Himmel wohl sein, wo ewiges Glück mir beschieden sein wird. - Nun werde ich bald das große Glück haben unsere lieben Eltern, Brüder, Schwester und alle unsere lieben Angehörigen die mir im Tode vorangegangen sind freudig wiederzusehen. - Auch wir werden uns wiedersehen und Euch alle erwarten auf kurz, oder lang. - Da Ihr alle des Gebetes bedürftig seid werde ich Euer Gedenken im Gebet damit sich der Allmächtige Euch erbarmet am Tage Eurer Abberufung. - Gedenke meiner auch im Tode. -
Ich sage Dir nun mein letztes Lebewohl auch Deiner lb. Frau und Küsse Euch von Herzen. - Au revoir en ciel!
Au revoir mon cher Ih_____ [?]
Léonard
Vermittle bitte mein
letztes Wien-Br___ [?]. -
Abschiedsbrief von Léonard Rust an seinen Bruder, 30. Januar 1942
Bundesarchiv R 3017/18358
Sterbeurkunde von Léonard Rust vom 30. Januar 1942
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung











































