Edeltraut Sasse

20. März 1920, Bleichfelde/Bromberg (Bydgoszcz) – 9. März 1945
Die Arbeiterin Edeltraut Sasse, geborene Krause, lebt in Berlin-Neukölln. Seit Anfang 1943 ist sie verwitwet.
Im November 1943 lernt sie den spanischen „Zivilar­beiter” José Arce Ruiz kennen, der ihr Lebensgefährte wird. Dieser begeht zusammen mit anderen Spaniern von Herbst 1943 bis Juli 1944 zahlreiche nächtliche Geschäfts­einbrüche. Ein Teil der Waren, in erster Linie bezugs­beschränkte Grundnahrungsmittel, werden in Edeltraut Sasses Wohnung verwahrt und von ihr weiterveräußert. Das erhaltene Geld gibt sie ihrem Freund.
Das Sondergericht VI bei dem Landgericht Berlin ver­urteilt sie am 6. Dezember 1944 auf Basis der kurz nach Kriegsbeginn erlassenen „Volksschädlingsverordnung” wegen Hehlerei zum Tode.
Ihr Gnadengesuch wird abgelehnt und Edeltraut Sasse am 9. März 1945 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Edeltraut Sasse

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Meine liebe kleine Edeltraut

Der Anwalt sagte mir, das Du als Haubtschuldige nicht in Frage kommst das steht fest erst in 13 Falle. Er wird Dich dem Gerichtsarzt vorführen lassen der Deine Handlungsweise in verminderter Zurechnungsfähigkeit erfolgt sein muß Ich habe angegeben das Günter Dich viel geschlagen hat am Kopf das Nasenbein zerschlagen das Du nicht sprechen konntest u das Dir der Schaum aus dem Mund kam. Er will alles versuchen. Frau Germersdorf liegt sehr krank an Herzwasser
u darf sich nicht bewegen. Ich lege im andern Päckchen auch einen Zettel bei, weil ich nicht weiß welches Du zu erst nimmst viele herzl. Grüße u. Küsse
Deine Mutti

Ich schreibe Dir morgen einen Brief hast Du meinen von vorigen Sonntag schon erhalten?

Kassiber der Mutter von Edeltraut Sasse, den sie dieser im Gerichtsge­fängnis Charlottenburg zukommen lassen wollte, Juli 1943

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3820

Frauenstrafgefängnis
Gnadengesuch

Berlin NO 18, den 8. Dez. 1944
Barnimstraße 10

An das Sondergericht IV
Alt-Mooabit

Gnadengesuch!
Ich, Edeltraut Sasse geb. Krause 20.3.1920 in Bleichfelde Krs. Bromberg geb. Binn am 6. Dezember 1944 vom Sonder-Gericht IV Alt-Mooabit wegen Hehlerei zu Todesstrafe verurteilt worden.
Ich binn das einziege Kind des Mechanikers Bruno, Oskar Krause, 27. Nov. 1899 in Bromberg geb. und dessen Ehefrau, Marta Helene Krause geb. Mikolajeus 8. Nov. 1899 in Labischin geb.
Meine Eltern verließen im Juni 1920 als Flüchtlinge Bromberg. Ich besuchte bis zum 14ten Lebensjahr die Volksschule, von 14-17 Jahre die Berufsschule Am 24. Sept. 1937 heiratete ich den Kraftfahrer Günther Hans Sasse. Ich arbeitete wärend meiner Ehe immer mit (Telefunken-Lorenz)
Am 9 Januar 1943. bekam ich die Nachricht das mein Mann tot ist.
Am 29. Nov. 1944 lehrnte ich den Spanier José Luis Arce Ruise kennen.
bis zum kennen lehrnen des Arce Ruise
war mein Leben ein einwandfreies.
Ich bitte das Hohe Gericht, doch anzuerkennen das ich doch dem Treiben des José Luis Arce ein Ende bereitete, indem ich seine Festnahme veranlaßte. Ich binn von Hause aus immer zur Wahrheit erzogen worden, habe volgsdessen auch ohne Zögern im vollem umfang wahres Protokoll abgegeben, und bitte doch nicht meine ehrlichkeit mit dem Tode zu bestrafen. Ich bereue meine Handlungsweise aus tiefstem Herzen, ich weiß nur das ich jemals im Leben soetwas nie getan wenn ich von Anfang an gewust hätte daß es sich um Diebesgut handelt. Als ich dafon erfuhr wartete ich den günstiegsten Zuge ab, um José Luis sein Handwerk zu legen. Trotzdem er mich mit dem Leben bedrohte.
Ich bitte nochmals flehentlich doch mich zu begnadigen und von der mir zuge[wiesenen] Todesstrafe abstand zu nehmen.
Ich binn 24 Jahre alt, und bitte doch auch meine Jugend zu berücksichtigen. Auch bin ich noch nie vorbestraft.
Edeltraut Sasse, geb. Krause
Frauengefängnis, Barnimstr. 10, 4/19

Gnadengesuch von Edeltraut Sasse vom 8. Dezember 1944

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3822/9

Bescheid des Frauenstrafgefängnisses Barnimstaße über die letzte Habe von Edeltraut Sasse, 15. März 1945

Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 3824

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