Otakar Schiedeck

11. Juni 1902, Mährisch Ostrau (Moravská Ostrava) – 8. Februar 1943
Otakar Schiedeck

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Otakar Schiedeck, 1941

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-275-12

Otakar Schiedeck wird am 11. Juni 1902 in Mährisch Ostrau (Moravská Ostrava) geboren. Ab 1933 ist er als Apotheker in Prag tätig. Er ist Mitglied der Nationalde­mokra­tischen Partei (ČSND). Seit 1934 gehört er der tschecho­slowa­kischen Pfadfin­derorga­nisation Junák an und betätigt sich dort als „Gesundheits­führer”.
Nach der Besetzung der böhmischen Länder durch die Wehr­macht gewinnt der Stabs­kapitän a. D. der Tschecho­slowa­kischen Armee Sachr im Herbst 1939 Otakar Schiedeck für die Mitarbeit in der geheimen Militär­orga­nisation Obrana Národa (ON – Vertei­digung der Nation). Er baut im VII. Prager Bezirk einen Sanitäts­dienst auf, den er im Einsatz­fall auch leiten soll. Er sorgt außerdem mithilfe weiterer ehema­liger Mitglieder der Pfadfinder­organi­sation für den Bau eines geheimen Senders und vermittelt František Zika an Sachr.
Otakar Schiedeck wird Ende April 1941 festge­nommen und am 16. Oktober 1942 vom 1. Senat des „Volksge­richtshofs” mit František Zika, seinem Vetter Adolf Rapp und einem weiteren Ange­klagten zum Tode verurteilt. Alle vier Männer werden am 8. Februar 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Anklageschrift des „Volksgerichtshofs” gegen Otakar Schiedeck und andere vom 24. Juni 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-275-17

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Otakar Schiedeck und andere vom 16. Oktober 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-275-5

Schiedeck Otakar Berlin-Plötzensee, den 3/II.1943.

An das Justizministerium in Berlin

Zu meinem Gesuch vom 21./X.1942 erlaube mir als Nachtrag Folgendes anzuführen: „Im Nationale meiner Anklageschrift ist angeführt, dass ich vorbestraft gewesen bin mit einem 4 wöch. Polizeil. Gefängnis, infolge einer Tat welche als feindselige dem Reiche angesehen wurde. Dazu füge ich bei: Es hat sich gehandelt um die Anschaffung der zweisprachigen Aufschriften in einer Apotheke wo ich verantwortlicher Provisor gewesen bin. Die erste Verordnung, welche im Mai 1940 verlautbar wurde, habe ich unverzüglich befolgt und habe ich auch gleich das Portal der Apotheke mit einer deutsch-tschechischen Aufschrift versehen lassen. Im Juli desselben Jahres hat der Herr Reichsprotektor in Böhmen und Mähren in seinem Nachtrag zu oben angeführten Verordnung verordnet, dass in einer bestimmten Frist alle Firmenaufschriften, sowie Informations-Reklams-Aufschriften u.s.w. zweisprachig durchgeführt werden müssen. Zur Zeit dieser Nachtragsanordnung war ich auf Urlaub und nach meinem Rückehr war schon die Frist verflossen. Von dieser Anordnung war ich nicht, weder von der Apothekeinhaberin, noch von mich vertretenden Magister Pharmacie auf diese Verordnung aufmerksam gemacht. Nach der Hinweisung der deutschen Staatspolizei auf diese Anordnung, liess ich sofort das nötige veranlassen und zwar durch die Apothekeinhaberin. Leider die Zeit der festgesetzten Frist war schon zu kurz (ungefähr zwei Tage) und der Lackierer infolge der angehäuften Arbeit konnte nicht diese meine Bes(ch)tellung rechtzeitig ausführen. Die Schuld, dass diese Verordnung nicht in der

festgesetzten Zeit ausgeführt wurde, liegt aber auf meinem Vertreter und hauptsächlich auf der Apothekeinhaberin, welche sämtliche Korrespondenz empfangen hat und erst später hat sie diese dem Magister Pharmacie übergegeben. Nachdem sie rechtzeitig, durch die amtliche Zuschrift, über die schon angeführte Verordnung informiert war, sollte sie darauf achten, dass die Ausführung der Anordnung unverzüglich durchgeführt würde, was sie aber nicht getan hat. (Troz) Trotz dieser Aufklärung hielt mich die Staatspolizei für verantwortlich in der Sache des Nichtbefolgens dieser Anordnung.“
Bei der Erledigung meines Gnadegesuches bitte ich auf diese meine Erklärung Rücksicht zu nehmen.

Schiedeck Otakar

Nachtrag von Otakar Schiedeck zu seinem Gnadengesuch vom 3. Februar 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-275-17

Mitteilung des Strafgefängnisses Plötzensee über die Hinrichtung von Otakar Schiedeck, 9. Februar 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-275-17

Sterbeurkunde von Otakar Schiedeck vom 9. Februar 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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