Rose Schlösinger

5. Oktober 1907, Frankfurt am Main – 5. August 1943
Rose Schlösinger

Rose Schlösinger an ihrem Hochzeitstag im Juni 1939 in Chemnitz

Gedenkstätte Deutscher Widerstand

1929 bis 1931 studiert Rose Ennen­bach an einer Wohl­fahrts­schule Berufs­beratung und Jugend­pflege, wird Mitglied der Sozialis­tischen Arbeiter­jugend, einer Ge­werk­schaft und wahr­scheinlich der SPD. 1931/32 ist sie mit dem Handels­lehrer Friedrich Heine­mann verhei­ratet und bringt 1932 die Tochter Marianne zur Welt.
Nach der politischen Maßre­gelung ihrer sozial­demokra­tisch engagierten Mutter wird sie aus einem Praktikum entlassen und ist zeit­weilig arbeitslos. Nach dem Umzug nach Chemnitz arbeitet sie bei den Wan­derer-Schreib­maschinen­werken und sorgt allein für den Unter­halt der Familie.
Sie heiratet 1939 Bodo Schlösinger, der im Auswärtigen Amt tätig ist und zieht nach Berlin. Sie, ihr Ehe­mann und ihre Mutter beteiligen sich an Gesprächs­runden im Kreis um Arvid und Mildred Harnack. Rose Schlösinger wird so in die Wider­stands­aktivitäten der Roten Kapelle einge­weiht und überbringt Hans Coppi einige Male Infor­mationen von Arvid Harnack.
Nach der Enttarnung der Gruppe wird Rose Schlösinger am 18. September 1942 festge­nommen und ins Polizei­präsidium am Alexander­platz gebracht. Das Reichs­kriegs­gericht verurteilt sie am 20. Januar 1943 wegen „Spionage” zum Tode. Sie wird am 5. August 1943 in Plötzen­see ermordet.

Dokumente

Anordnung der Vollstreckung des Todesurteils gegen Rose Schlösinger und andere, 4. August 1943

Militärhistorisches Archiv, Prag Karton A, StPL (RKA)

Rose Schlösinger
Berlin-Plötzensee, den 5.8.1943

(Bitte mit an meinen Schwieger-
vater, Herrn Willy Schlösinger, schicken)

Meine liebe, gute Mutter!
Alles, was ich dir an diesem
Tag, den wir schon so lange
Erwartet haben, sagen wollte,
habe ich dir schon geschrieben, als
ich noch am Alex war. Ich kann
dir nur noch sagen, wie es mir
mit Bodo gegangen ist, als ich
wußte, daß er tot ist: er war
in Gedanken stets bei mir, und
ich habe mich am liebsten der
schönen Stunden erinnert, die
wir miteinander erlebt haben.
So sollst du es auch mit mir
Machen. Und mich hat auch be-
ruhigt, zu wissen, daß er nun Ruhe
hat, u. wenn du diesen Brief hast,
habe ich auch Ruhe. Du wirst bei
meinen Sachen ein Gedicht an Bodo
finden, daß sehr schön paßt. Küsse mein
Mariannchen noch einmal. Ich
Schreibe nicht mehr an sie. Sie soll
Vorläufig glauben, ihre Mutter sei
Krank geworden u. gestorben. Wenn
Ich noch etwas wünschen könnte,
würde ich wünschen, daß sie
nicht zu Heinemann braucht,
wenn sie nicht selbst will. Dir
selbst wünsche ich, daß du dicht nicht
so sehr quälst, daß du ruhig bleibst
u. denkst, daß dein Kind nun Ruhe
hat. Es ist auch kein schlechter Gedanke
zu wissen, daß ich davon bis zum letzten
Moment davon überzeugt war, daß
ich nur für meine Liebe gestorben
bin – es ist kein schlechter Tod. Wir
bleiben zusammen – das bißchen
Sterben ändert daran nichts.
Der letzte Tag u. die letzten Stunden
sind nicht schlimm. Liebstes Muttchen,
bleib die tapfere, großartige Frau u.
Mutter, die du warst, bis auch du
Ruhe hast. Kopf hoch, Mutter.
Viele Küsse
u. vielen Dank für alle Liebe
deine Rose

Abschiedsbrief von Rose Schlösinger an ihre Mutter, 5. August 1943

Privatbesitz

Sterbeurkunde von Rose Schlösinger vom 6. August 1943

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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