Louis Schmitt

10. Oktober 1906, Basel – 30. Januar 1942
Louis Schmitt

Erkennungsdienstliches Foto von Louis Schmitt, 1941

Bundesarchiv R 3017/18359

Der als deutscher Reichsangehöriger geborene Louis Schmitt erhält nach dem Abtritt vom Elsass an Frankreich die französische Staatsangehörigkeit. Nach dem Schul­besuch absolviert er eine Lehre zum Mechaniker. Im Mai 1925 wird Schmitt für 2½ Jahre zum französischen Heer einberufen.
Anschließend arbeitet er als Kraftfahrer im Elsass. 1929 heiratet Schmitt, aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor. Im Juli 1936 gewinnt Schmitt in der Lotterie 300.000 ffrs. Er gibt seine Anstellung als Kellner auf und reist mit seiner Frau durch Europa. Das Geld ist nach einigen verlustreichen Investitionen bald aufgebraucht.
In einem Gasthaus in Mülhausen beteiligt sich der 33-Jährige am 13. November 1939 an Gesprächen über das Attentat auf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller vom 8. November. Schmitt erklärt, dass er bereit sei, einen Anschlag zu versuchen. In einem Brief an seine Schwester vom selben Tag schreibt er: „Ich bin sicher, daß es mir gelingen wird, mit dieser Pest Schluß zu machen, wenn man mir nur das Mittel dazu gibt.“ Am 19. November begibt sich Schmitt auf der Suche nach finanzieller Unterstützung nach Paris.
Er wird am 18. April 1940 zur französischen Armee eingezogen und nach der Demobilisierung Mitte August 1940 wieder entlassen. Schmitt wird am 26. August 1940 verhaftet. Der „Volksgerichtshof“ verurteilt ihn wegen „Verbrechens gegen § 5 der Verordnung des Reichs­präsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ am 15. Oktober 1941 zum Tode.
Louis Schmitt wird am 30. Januar 1942 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Louis Schmitt

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Léonard Rust und Louis Schmitt, 15. Oktober 1941

Bundesarchiv R 3017/18361

Ablehnung des Gnadengesuchs von Louis Schmitt, 17. Januar 1942

Bundesarchiv R 3017/18357

Louis Schmitt
Berlin-Plötzensee, den 30. Januar 1942

Mein lieber lieber Vater und Mama
Wenn Ihr diesen Brief erhalten werdet bin ich nicht mehr. Verzeihe mir den Kummer den ich euch dadurch bereite. und alle früheren Umständlichkeiten welche ich euch bereitet habe. Ich werde bei meiner lieben Mutter und unserem Ernest sein. wenn ihr diese Zeilen lesen werdet. Ich weiss nicht wo ich diese Gnade verdient und einen so glücklichen Tod verdient habe denn ich war ein grosser Sünder und haben den lieben Gott zu viel vergessen auch hoffe ich dass der liebe Heiland mir diese Strafe geschickt hat welche noch viel zu leicht ist. wenn ich von hier in den Himmel gehe den der liebe Gott wird mir vergeben er hat ja auch dem Schächer am Kreuze vergeben. Ich habe vorhin gebeichtet und die Heilige Kommunion
empfangen. Es ist jetzt drei Uhr und um sechs Uhr 5 Minuten werde ich hingerichtet. Ich werde dir nicht schreiben warum denn Jutta wird dir alles besser erzählen. Eines kann ich dir sagen dass ich mich unschuldig fühle und stolz mit dem Kopf oben sterbe als Franzose.
Was ich aber hier nicht verdient, habe ich anderweitig durch mein schlechten lebensgang verdient. auch sterbe ich in Jesus-Christus und in seiner Barmherzigkeit und werde bald bei Mama und Ernest sein.
Lieber Vater ich hätte dir schon längst geschrieben aber für was dir Unnötigen Kummer zu bereiten. Ich sende diesen Brief an Jutta nach Paris Sie wird Ihn dir nach dem Kriege aushändigen
Lieber Vater und Mama ich habe noch eine Bitte Ihr könnt mich später nach dem Kriege von hier
holen lassen ich würde so gern in heimatlicher Erde ruhen bei meiner Mama. Aber nur wenn es dir nicht zu viel Umstände bereitet. Ich habe viel an Mama gedacht. Ich habe eine so grosse Gnade erhalten welche ich gar nicht verdient habe. um so ruhig in Jesus-Christus zu sterben Ich glaube Mama ist schuld daran sie hat gesehen dass ich sonst verloren wäre. Lieber Papa du siehst dass ich grosse Hoffnung habe und glaube mir nur in Gott können wir selig werden nur vergessen wir es zu viel in diesen Jammertal. Ich habe dir in meinem Leben so viel Kummer bereitet, ich bitte dich vielmals um verzeihung und bete auch für mich wie ich für dich beten werde. Lieber Papa mache meiner Frau keine Vorwürfe Ich bin ja am meisten Schuld und ich hoffe auch meine Frau wird mir nichts nachtragen. Besuche auch meine Ivette und rede auch bei ihr
von mir sowie der Liliane welche ich bereits nicht kenne. Auch meiner lieben Gaby und Jean meine letzten Grüsse und Küsse. Ich wünsche ihnen viel Glück und Segen und bitte auch sie um Verzeihung für meine menschlischen Verfehlungen. Also liebe Eltern gedenkt euerm unglücklichen Sohn welcher euer gedenkt in seiner letzten Stunde und auch nochmals um Verzeihung bittet.
Ich gehe jetzt dorthin wo unsere liebe Mama ist sowie Ernest und vergebe meinen Richtern da sie in gutem Glauben gerichtet haben wiewohl ich mich für unschuldig glaube. Das kann ich dir sagen dass ich tapfer sterben werde und als guter Franzose.
Hiermit Kusse und grüsse ich auch zum letzten male in Jesus-Christus unserm Herrn
Euer Sohn
welcher glücklich stirbt
auf seine unendliche Barmherzigkeit hoffend. Louis

Abschiedsbrief von Louis Schmitt an seine Eltern, 30. Januar 1942

Bundesarchiv R 3017/18357

Sterbeurkunde von Louis Schmitt vom 30. Januar 1942

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

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