Johann Schöner

6. Mai 1898, Untersiebenbrunn – 2. März 1943
Johann Schöner

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Johann Schöner, 1941

Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW), Wien

Johann Schöner wird am 6. Mai 1893 in Unter­Msieben­brunn geboren und erlernt nach dem Besuch der Volks­schule den Beruf des Schuh­machers und des Drehers. Er nimmt als Soldat am Ersten Welt­krieg teil und wird an der italienischen Front schwer verwundet. Ab 1938 arbeitet er bei der Firma Vereinigte Telefon- und Telegrafen­fabrik (VTT) als Automaten­einrichter. Er gehört von 1925 bis zu deren erzwun­genen Auflösung 1934 der Sozial­demokra­tischen Partei Österreichs an und ist Mitglied im Metall­arbeiter­verband und beim Verband der Kinder­freunde.
Im Jahr 1939 unterstützt Schöner die Familie eines er­krankten Kollegen mit Geldbeträgen, die teils aus eige­nen Mitteln und teils von anderen Betriebs­zugehörigen stammen. Nach dem Ableben des Kollegen wird er von dem Leiter der kommu­nistischen Betriebszelle bei VTT aufgefordert, die Geld­sammlungen zugunsten kommu­nistischer Zwecke fortzuführen. Außerdem ist er in der Folgezeit an der Weitergabe von kommu­nistischen Flug­schriften und Zeitschriften beteiligt.
Er wird am 31. Juli 1941 festge­nommen und am 9. Okto­ber 1942 vom „Volks­gerichtshof” wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” zum Tode verurteilt. Laut Urteil hat er mit weiteren Angeklagten durch „Herstel­lung eines orga­nisatorischen Zusammen­halts” und durch „Verbrei­tung von Schriften” ein „hoch­verräterisches Unternehmen” vorbereitet.
Am 2. März 1943 wird Johann Schöner im Straf­gefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Johann Schöner

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Anklage des „Volksgerichtshofs” gegen Johann Schöner und weitere Personen vom 16. Juni 1942

Bundesarchiv R 3017/24838

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Johann Schöner und weitere Personen vom 9. Oktober 1942

Bundesarchiv R 3017/24838

Johann Schöner
Berlin-Plötzensee, den 17. Oktober 1942


An den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler
in Berlin


Ich Strafgefangener Johann Schöner geboren am 6./5 1898 in Untersiebenbrunn/Bezirk Gänsendorff (Ostmark) bitte um die Gnade, die über mich verhängte Höchst-Strafe (Todesstrafe) in in eine angemessene Freiheits-Strafe umzuändern. Ich bin in Untersiebenbrunn geboren besuchte die 2. Kl. Volksschule in Breitensee lernte mittelmäßig war den Eltern und Lehrern immer folgsam, beteiligte mich nie an Gesetzwiedrigen Taten. Nach der Schule kam ich in Lehre, erlernte das Dreherhandwerk und rückte im Jahre 1916 zum Militär freiwillig ein. Diente auch dort treu ohne Anstand und wurde im Juni 1918 schwer verwundet, war in Spitalspflege bis mitte 1920. Erhielt im Herbst 1917 die silberne Tapferkeitsmedaile 2. Klasse für tapferes Verhalten vor dem Feinde. Nachher arbeitete ich in verschiedenen Wiener Betrieben als Dreher und Automateneinsteller, beteiligte mich aber nie an politischen Besprechungen. Ich bin bis jetzt unbescholten habe immer dem Führer und dem deutschen Volke treu gedient bereue die Straftat und nehme mir ernstlich vor nie mehr nur so ähnliches zu begehen. Ich bin nur unglücklicherweise durch Unerfahrenheit in schlechte Hände geraten von die ich mich jetzt hüten und zur Anzeige bringen werde. Ich bitte mich nicht zu verstoßen, nach verbüßung der Strafe nicht in Ungnade zu belassen und mich wieder in die Volksgemeinschaft aufzunehmen.

Des weiteren bitte ich um die Gnade im Wehrdienst an der Front so wie 1914-1918 im Weltkrieg heldenmütig für Führer und Volk und für das teure Vaterland kämpfen zu können um dadurch die Ehre als teutscher Mann wieder zu gewinnen.
Es kämpft mein 20jähriger Sohn in Afrika an der Front, mein Bruder dient als Lokomotivführer meine zwei Schwäger stehen im Staatlichen Bahndienst und meine Frau im Rüstungsbetrieb. Auch ich habe die feste Absicht durch meinen Einsatz meinem Vaterlande jetzt in der schweren Zeit wo jeder einzelne Mann gebraucht wird beizustehen. Es war nie und nimmer nicht einmal meine Absicht den Vaterlande zu schädigen, wenn ich eine Straftat begangen habe dann bitte ich nochmals den Führer und das Volksgericht mir zu verzeihen, mich nicht ohne Wiedergutmachung des Sträflingstodes, sondern in allen Ehren des Heldentodes sterben zu lassen.

Gnadengesuch von Johann Schöner vom 17. Oktober 1942

Bundesarchiv R 3017/24863

Johann Schöner
Berlin-Plötzensee, den 2. März 1943


Lieber Schwager und Schwester!
Ich grüße und küsse Euch zum meinem Abschied von dieser Erden zum letztenmal. B.K. verzeihe mir, wenn ich Euch immer gekränkt habe. Ich scheide in Buß und Frieden von dieser Erde und wüntsche dir und deinem Mann alles gute und viel Glück. Mein Wunsch ist noch, lasset eine Gedenktafel und eine Potographie an Vaters Grabstein anbringen und bitte mich in Ehren zu halten. Ich habe mich mit Gott versöhnt und die heiligen Sakramente empfangen.

Bitte mir nichts böses nachzutragen damit ich den ewigen Frieden im jenseits finde, und bete für mich das wir uns im Himmel einst freudig Wiedersehn. Auch ich verzeihe dir alles und wünsche dir viel Glück auf Erden und im Himmel. B.K. stehe meiner Frau bei in Ihre Schmerz und trge Ihr nicht böses nach wen Sie dich wieder beleidigt hat. Denn wir sind ja nur Mentschen und haben Fehler. Versöhnt Euch alle im ewigen Frieden mit Gott und dem Schwestern Bruder und Schwager. Ich sterbe ruhig im ewigen Frieden und wüntsche Euch ein loanges frohes Leben. Tröste dich es war mein Schicksal.
Es grüßt und küst Euch noch recht herzlich der Bruder und Schwager
Johann.



[Briefumschlag - Vorderseite]

Familie Förster
in Breitensen N 146.

Post Marchegg II.

Niederdonau.


[Briefumschlag - Rückseite]

Johann Schöner
Berlin
Plötzensee

Abschiedsbrief von Johann Schöner vom 2. März 1943

Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW), Wien

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