Bruno Schulzek


Erkennungsdienstliche Aufnahme von Bruno Schulzek
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 1209/6
Im Frühjahr 1943 wird er unter dem Vorwurf festgenommen, seit 1941 gemeinsam mit Willi Grothe und zwei weiteren Angeklagten „unter Ausnutzung der Kriegsverhältnisse” Reichsbahngut - vor allem Stoffe, Kleidung sowie Zigaretten und Alkohol - gestohlen zu haben.
Bruno Schulzek und Willi Grothe werden am 15. Juli 1943 vom Sondergericht VIII bei dem Landgericht Berlin wegen Diebstahls und Verstoßes gegen die „Volksschädlingsverordnung” sowie die „Kriegswirtschaftsverordnung” zum Tode verurteilt.
Bruno Schulzek wird am 8. September 1943 während der sogenannten Blutnächte im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.
Dokumente
Berlin-Plötzensee, den 1943
Bruno Schulzek
Aktenzeichen: 5 P.K.Ls. 947/43
Sond. VIII 1488
An den
Herrn Generalstaatsanwalt (Sondergericht)
in Berlin
Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt!
Im nachfolgenden Schreiben gestatte ich mir, Ihnen in kurzen Umrissen mein Gnadengesuch wahrheitsgetreu zu unterbreiten und möchte auch gleich am Anfang meines Schreibens nicht versäumen, Sie geehrter Herr Generalstaatsanwalt inständigst um Beachtung und gefällige Erfüllung meines Gnadengesuchs bitten.
Am 20.12.1897. bin ich als Sohn des Kutschers Josef Schulzek und dessen Ehefrau Rosa geb. Makowski zu Potsdam geboren. Aus dieser Ehe sind neun Kinder hervorgegangen drei davon sind schon früh verstorben. Mit den übrigen Geschwistern genoß ich meine Erziehung im Eltern Hause. Ich besuchte die kath. Gemeindeschule zu Potsdam bis zur ersten Klasse. Nach meiner Schulentlassung im Jahre 1911 nahm ich die Stellung als Bootsjunge beim „Kaiserlichen Motorjachtclub von Deutschland“ bis zum Ausbruch des Weltkrieges an. Im Januar 1915 trat ich in das Gardeluftschiffer Batl. 1 in Berlin-Reinickendorf als Kriegsfreiwilliger ein und zog im März 15 ins Feld. Nach wechselvollen, harten Erlebnissen wurde ich im Sommer 1917 wegen Tapferkeit vorm Feinde mit dem E.K. II ausgezeichnet und bald darauf zum Gefr. befördert. Nach meiner Entlassung aus dem Heer im Mai 1919 ging ich zunächst zur Deutschen Reichspost, wechselte dann 1921 zur Deutschen Reichsbahn über, wo ich mit kurzer Unterbrechung bis zum Tage meiner Verhaftung zuletzt in der Ausbildung zum Rb. Assistenten tätig war. Am 11.4.23. heiratete ich die Tochter
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Elfriede, des bereits verstorbenen Rb. Assistenten Albert Schäffer. In dieser glücklichen Ehe wurde uns eine Tochter geboren, welche heute als techn. Zeichnerin in Berlin tätig ist. Durch das Einschleichen eines Dritten in meine Ehe wurde die glückliche Harmonie derselben empfindlich gestört. Auf Grund dessen reichte ich 1938 die Scheidung ein, welche dann auch im Oktober gerichtlich stattfand. Wenn ich bis dahin meinen Obliegenheiten sei es dienstlich oder Privat zur vollsten Zufriedenheit meiner Vorgesetzten, sowie Mitmenschen nachgekommen bin, so trat durch die Scheidung meiner Ehe eine auffallend nachteilige Wendung in meinem weiteren Leben ein. Mit den Nerven vollkommen herunter wurde ich haltlos wenn nicht gar leicht. Hinzu kommt ein mit meiner jetzigen Frau (ich heiratete im Juni 49 das Zweitemal) erlittener Autounfall, wobei ich mir eine Gehirnerschütterung, sowie eine Ober- u. Unterkieferverletzung zu zog. Auch hierbei mag mein Nervensistem stark gelitten haben. Hiermit kann ich es nur begründen, daß ich mich hinreißen lies und im Spätsommer 1941 auf die schiefe Bahn geriet. In der Untersuchungshaft wie auch schon früher habe ich mich immerwieder fragen müssen, wie konnte ich nur so unehrlich handeln. Im August 1942 gebar meine Frau leider 2 Monate zu früh zwei Knaben welche dann auch bald starben. Angeekelt über das unehrliche Treiben und durch das schlechte Gewissen getrieben, reifte im Frühjahr 1942 in mir der Entschluß heran, mich von der Sache abzukehren. Angesichts der glücklichen Mutterwendung meiner lieben Frau im vergangenen Sommer, setzte ich den Entschluß in die Tat um und begab mich nach einer eingehenden aber auch herzlichen Aussprache wieder auf die richtige Lebensbahn. Denn auch meine jetzige Frau hatte unter meinem unsteten und zerrütteten Leben sehr zu leiden.
Dieses nachweißliche Argument der Milde fand leider zu meiner Enttäuschung bei der Hauptverhandlung keine Beachtung. Obwohl ich mir seit meiner Verhaftung über die Schwere und Tragweite meines Vergehens im klaren bin, bitte ich Sie geehrter Herr Generalstaatsanwalt nochmals um Gnade. Denn ich würde mich über den Tod hinaus meiner beiden gefallenen Brüder schamen, müßte ich mein Leben auf dem Schaffott beenden. Diese meine Angaben entsprechen der reinen Wahrheit, so war mir Gott helfe.
Bruno Schulzek
[rechter Rand:]
Nachträglich möchte ich noch zur Kenntnis bringen, daß meine liebe Frau im September der Mutterschaft entgegen sieht.
Gnadengesuch von Bruno Schulzek
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 1209/2
Ablehnung eines Gnadenerweises für Bruno Schulzek vom 2. September 1943
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep 12 C Berlin II, Nr. 1209/2
Sterbeurkunde von Bruno Schulzek vom 14. September 1943
Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung
Bericht über die vom 7. bis 10. Septem­ber 1943 im Strafgefängnis Plötzensee vollstreckten Todesurteile, 17. September 1943
Bundesarchiv R 3001/25019















