Ivo Souhrada

30. Juli 1910, Prag – 24. September 1942
Ivo Souhrada

Erkennungsdienstliche Aufnahme von Ivo Souhrada, 1940

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-264-13

Ivo Souhrada studiert Inge­nieur­wissen­schaften an der Deutschen Technischen Hoch­schule in Prag, muss sein Studium jedoch vor dem Diplom aus famil­iären Gründen aufgeben. Er leistet seinen Militär­dienst und ist fortan Leutnant der Reserve. Ab 1935 ist er in der Verwal­tung des Elektrizitäts­werks in Prag tätig. Er ist Mit­glied der Volks­sozialis­tischen Partei von Edvard Beneš (ČSNS).
Nach der Besetzung der böhmischen Länder durch die Wehr­macht wird er im August 1939 von dem Stabs­kapi­tän a. D. Sachr für die im Entste­hen begrif­fenen Militär­organi­sation Obrana Národa (ON – Ver­tei­digung der Nation) geworben, die den bewaff­neten Aufstand plant. Ivo Souhrada soll bei dem geplan­ten Umsturz mit einer Gruppe das Elek­trizitäts­werk besetzen. Er gewinnt zwei weitere im Werk angestellte Reserve­offi­ziere für die Wider­stands­organisation.
Am 22. Juni 1942 verur­teilt der „Volks­gerichts­hof” Ivo Souhrada zusammen mit Václav Valášek und Josef Hozman wegen „Vorbe­reitung zum Hoch­verrat und landes­verrä­terischer Feindbe­güns­tigung” zum Tode. Alle drei Männer werden am 24. September 1942 in Plötz­ensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte des Strafgefängnisses Plötzensee von Ivo Souhrada

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Anklage des „Volksgerichts­hofs” gegen Josef Hozman und andere vom 17. Dezember 1941

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-264-1

Urteil des „Volksgerichts­hofs” gegen Josef Hozman und andere vom 22. Juni 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-264-2

An die Kanzlei des Reichskanzlers und Führers in Berlin

Betrifft: Gnadengesuch für Ivo Souhrada.

Eure Excellenz!

Mein Gemahl Ivo Souhrada wurde durch das Urteil des Volksgerichtshofes in Berlin am 23. Juni 1942 zum Tode verurteilt.
Die Tat, welche meinem verurteilten Manne zur Last gelegt wird und die Begründung des Urteiles sind mir unbekannt. Ich zweifle überhaupt nicht an der Richtigkeit des Urteiles, aber ich halte es als Gattin des Verurteilten für meine Pflicht ein Gnadengesuch einzureichen, das ich folgendermassen begründe:
Mein Mann wurde am 10. Juli 1910 in Prag geboren, studierte ausschliesslich an deutschen Schulen in Prag und zwar sowohl an der Volks- und Realschule, als auch an der technischen Hochschule.
Er war tschechoslowakischer Reserveoffizier und seit Feber 1938 lebt er in einer Ehe mit mir. Diese blieb ohne unseren Verschulden kinderlos, obzwar wir uns Kinder gewünscht hätten. Mein Mann, der teilweise deutsche Verwandten hat und ausschliesslich an deutschen Schulen studiert hat, war insofern ich informiert bin immer deutsfreundlich gesinnt, er war zurzeit der Republik weder politisch
tätig noch Sokol oder Freimaurer und ich kann mir als seine Gattin überhaupt nicht erklären, was ihm im Widerspruch zu seiner ganzen früheren Lebenslaufbahn zu der ihn zur Last gelegten Tat veranlasst hat. Obzwar mir seine Tat gänzlich unbekannt ist kann ich mir die Sache nur derart erklären, dass er sich nur durch unverantwortliche Elemente verführen liess. Ich weiss, dass diese Erklärung nicht die verübte Tat entschuldigt, aber ich bin ehrlich überzeugt, dass er eines Gnadenaktes würdig ist und dass falls ihm die Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe verändert wäre, er sich dieser Gnade würdig erweisen möchte.
Als die ihn liebende Gattin erhabe ich deshalb dieses Gesuch und ich bitte ergebenst um eine Gnade für meinen Mann und ich versichere Sie, Unserer Führer, dass ich für so einen Gnadenakt bis zum meinen Tode sowohl Eurer Excellenz als auch dem Grossdeutschen Reiche treu und verbunden bleiben werde und dass ich alles unternehmen werde um sich dieses Gnadenaktes würdig zu erweisen.
Anna Souhradová,
Prag XIII.,
Hutmachergasse Nr. 2.

Prag, den 26. Juni 1942

Gnadengesuch von Anna Souhradová für ihren Ehemann vom 26. Juni 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-264-12

Mitteilung über die Hinrichtung von Ivo Souhrada, 24. September 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-264-13

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