Gustav Spanily

28. Juli 1908, Wien – 10. Mai 1940
Gustav Spanily wird am 28. Juli 1908 in Wien geboren, besucht die Volksschule und erlernt das Schuhmacher­handwerk. Ab 1929 ist er in einer Ausbesserungsstätte für Kraftwagen in Wien beschäftigt. Nach seiner Beteiligung an den Februarkämpfen 1934 auf Seiten der Sozialdemo­kraten flüchtet er in die Tschechoslowakei, wo er in ei­nem Emigrantenlager in Znaim untergebracht ist. Im Februar 1936 kehrt er nach Österreich zurück, wird am­nestiert und lebt von Gelegenheitsarbeiten. Ab Juli 1938 ist er dauerhaft als Kraftwagenführer tätig.
Spanily gehört zwischen 1927 bis zu deren Verbot 1934, zuletzt als Sprengelleiter, der Sozialdemokratischen Par­tei Österreichs an und ist Mitglied im Republika­nischen Schutzbund.
Im April 1938 wird Spanily von einem früheren Bekannten aus dem Emigrantenlager in Znaim für den tschechi­schen Nachrichtendienst geworben. Er kundschaftet den Zu- und Abgang deutscher Truppen sowie ihre Stärke und Be­waffnung in Wien aus und gibt diese Informatio­nen zum Teil schriftlich, zum Teil mit einem angeschaff­ten Funkapparat nach Brünn weiter.
Wegen dieser politischen Betätigung wird er am 15. Au­gust 1938 vorläufig festgenommen, am 8. August 1939 zusammen mit drei weiteren Männern und einer Frau angeklagt und am 5. Dezember 1939 vom 1. Senat des „Volksgerichtshofs” wegen „Landesverrats” zum Tode verurteilt.
Gustav Spanily wird am 10. Mai 1940 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Gustav Spanily

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Anklage des „Volksgerichtshofs” gegen Gustav Spanily und weitere Personen vom 8. August 1939

Bundesarchiv R 3017/27232

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Gustav Spanily und weitere Angeklagte vom 5. Dezember 1939

Bundesarchiv R 3017/27232

Berlin-Plötzensee, den 31. März 1940

An den Sehr geehrten
Herrn Reichskanzler u. Führer
in Berlin

Ich Unterfertigter bitte Sie sehr geehrter Herr Reichskanzler
um Begnadigung. Ich wurde am 15. Aug(ust) 1938 verhaftet und am
5. Dez. 1939 von Volksgerichtshof wegen Landesverrat für die Tschecho-
slovaken zum Tode verurteilt. Bin derzeit Deutscher Staatsbürger
früher Österreichischer Staatsbürger, und tschechischer Abstammung.
Ich habe die Tat die mir zur Last gelegt wird nicht in gewinn-
süchtiger Weise vollbracht, sondern mir in meiner tschechischen
Gesinnung, und als Dankbarkeit den Tschechen gegenüber, da sie
mir im Jahr 1934-1936 als österreichischen Emigranten die Gast-
freundschaft gewerten. Der Herr Militärische Sachverständiger
hat in der Verhandlung selbst gesagt, das meine Handlungen
keine Staatsgeheimnise waren, und dadurch der Stadt, so auch
das Militär nicht geschädigt wurden. Ich bitte vielmals zu be-
rücksichtigen durch welche Umstände ich in die Sache hinein
gezogen wurde, auch wollte ich zweimal nicht mehr weiter
arbeiten, aber Riedel Stefan verstand es vortrefflich mich zu
beeinflusen und zur Weiterarbeit zu überreden, da Riedel weder
angeklagt noch verfolgt wird ist es mir glar das ich sein Opfer
war damit er Riedel zu seinen Ziele gelangt. Auch der Sender
ging mir nichts an, nur auf bitten und drängen des Riedel
habe ich die 2 Probesendungen gestattet und vorübergehend
in meiner Wohnung aufgehoben. Ich habe noch Eltern und
3 Geschwister die das Urteil furchtbar getrofen hat, ich weis
das die Vollstreckung des Urteiles meine Eltern nicht überleben
werden, und meinen Geschwistern es schädigen wird, mein Bruder
Adolf Spanily ist seit Kriegsbegin an der Front, zuerst an der Ost, jedst
an der West Front, wurde jetzt zum Gefreiten befördert, ist über mein Urteil
ganz verzweifelt und es würde ihm in seinen Weiterfortkommen sehr
gefährden, Ich bitte Sie sehr geehrter Herr Reichskanzler, weideres Un-
glück zu verhüten und mich zu begnadigen. Ich habe am 4. Febr(uar)
1940 den Herrn Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof eine Anzeige
über ein At(t)entat das an den Chef der deutschen Polizei und Führer
der SS geplant ist gemacht, über das mir ein Mann in meiner
Haft erzählte, ich glaube, ich habe durch die Anzeige zumindes-
tens einer höheren Person, wenn nicht mehreren Person das Leben
geretet, und dadurch ein großes Unglück verhütet. Ich habe
dadurch schon den Beweis erbracht das ich meine Handlung die
ich begangen habe furchtbar bereue, und bereit bin ales zumachen
um mein Vergehn wieder gut machen zu können. Ich war mir auch
nicht bewust was ich mit mein Vergehn anstellen hätte können.
Ich bitte Sie sehr geehrter Herr Reichskanzler u. Führer des
Deutschen Volkes noch einmal um Begnadigung und mich
an die Front zustellen, den wen(n) mir der Tod schon bestimt
ist, damit ich ihn an der Front finde und dadurch einen Teil
meiner Schuld gut machen zu können, und meine Ehre, und
die Ehre meiner Eltern und Geschwister wieder herzustellen.
Ich gebe Ihnen mein heiligstes Versprechen das ich an der
Front meine ganze Kraft, und ganzes können ein setzen werde,
und die Begnadigung immer ehren und schädzen
werde. Ich bitte Sie noch einmal Sehr geehrter Herr Reichs-
kanzler u. Führer mein Schreiben, meinen Eltern und
Geschwistern zu Liebe zu berücksichtigen, und mir die Bitte
um Begnadigung und an die Frontstellung zu bewilligen.

Ergebenst,
Gustav Spanily

Gnadengesuch von Gustav Spanily an „den Reichskanzler u. Führer” vom 31. März 1940

Bundesarchiv R 3017/27233

Bekanntgabe der Vollstreckung des Todesurteils vom 10. Mai 1940

Bundesarchiv R 3017/27231

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