Martha Speer

11. Dezember 1892, Niedersalzbrunn/Kreis Waldenburg (Szczawienko) – 8. September 1944
Martha Modler arbeitet als Privatkrankenschwester in Berlin und betreut bis 1939 jüdische Patientinnen und Patienten. Im Juli 1942 heiratet sie Paul Speer und lebt fortan mit ihrem Mann im niederschlesischen Dorf Qualkau. Dort äußerte sie sich den Einwohnenden gegenüber abfällig über Adolf Hitler und den Krieg.
Martha Speer wird denunziert, am 30. Oktober 1943 festgenommen und angeklagt, „Hetze gegen den Führer“ betrieben zu haben.
Der 1. Senat des „Volksgerichtshofs“ verurteilt sie am 14. Juli 1944 wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode.
Sie wird am 8. September 1944 in der Strafanstalt Plötzensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Martha Speer

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Anklageschrift von Martha Speer,
28. April 1944

Bundesarchiv R 3017/34569

Tenor des Urteils des „Volksgerichtshofs“ gegen Martha Speer, 14. Juli 1944

Bundesarchiv R 3017/34569

Speer, Martha
Frauenstrafgefängnis Berlin NO 18, den 1. VIII 1944
Gesuch Barnimstraße 10


Gnadengesuch

An das Volksgericht I. Senat.

Am 14. Juli bin ich zu Tode verurteilt. Ich bitte Sie, Herr Senat, diese harte Strafe zu mildern. Meine Schuld bereue ich aufs tiefste, und bedaure, dass ich mich habe in meinem Alter hinreissen lassen, so Äusserungen zu machen. Aber meine Nerven hielten nicht Stand; ich habe in meiner unglücklichen Ehe viel Streitigkeiten. Liebe habe ich bei meinem Mann nie kennen gelernt. Er hatte mir, schon vier Wochen nach dem Tode seiner Frau, auf meinem Heiratsinserat geantwortet. Ich habe 28 Jahre als Krankenschwester meinen Beruf aufopfernd augeübt. Ich glaube somit, im Sinne unseres Führers

[Stempel: IVg10b 1413.44]

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gehandelt zu haben, wenn ich meinen kranken Volksgenossen helfend gegenübertrat. In der grossen Arbeitslosigkeit habe ich geschuftet um meinen Angehörigen, die keine Arbeit bekamen, ihrem Lebensunterhalt zu geben. Heute habe ich sechs meiner Neffen an der Front. Es liegt in Ihrer Hand, Herr Senat, einer unglücklichen Frau das Leben zu erhalten. Ich bitte Sie nochmals von ganzem Herzen, meine Tat, die ich sehr bereue, milder zu verurteilen.

Reuevoll
Martha Speer

Gnadengesuch von Martha Speer,
1. August 1944

Bundesarchiv R 3017/34569

Protokoll der Vollstreckung der Todesstrafe gegen Martha Speer,
8. September 1944

Bundesarchiv R 3017/34569

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