Martha Speer
Martha Speer wird denunziert, am 30. Oktober 1943 festgenommen und angeklagt, „Hetze gegen den Führer“ betrieben zu haben.
Der 1. Senat des „Volksgerichtshofs“ verurteilt sie am 14. Juli 1944 wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode.
Sie wird am 8. September 1944 in der Strafanstalt Plötzensee ermordet.
Dokumente
Gefangenenkarte von Martha Speer
Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei
Anklageschrift von Martha Speer,
28. April 1944
Bundesarchiv R 3017/34569
Tenor des Urteils des „Volksgerichtshofs“ gegen Martha Speer, 14. Juli 1944
Bundesarchiv R 3017/34569
Frauenstrafgefängnis Berlin NO 18, den 1. VIII 1944
Gesuch Barnimstraße 10
Gnadengesuch
An das Volksgericht I. Senat.
Am 14. Juli bin ich zu Tode verurteilt. Ich bitte Sie, Herr Senat, diese harte Strafe zu mildern. Meine Schuld bereue ich aufs tiefste, und bedaure, dass ich mich habe in meinem Alter hinreissen lassen, so Äusserungen zu machen. Aber meine Nerven hielten nicht Stand; ich habe in meiner unglücklichen Ehe viel Streitigkeiten. Liebe habe ich bei meinem Mann nie kennen gelernt. Er hatte mir, schon vier Wochen nach dem Tode seiner Frau, auf meinem Heiratsinserat geantwortet. Ich habe 28 Jahre als Krankenschwester meinen Beruf aufopfernd augeübt. Ich glaube somit, im Sinne unseres Führers
[Stempel: IVg10b 1413.44]
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gehandelt zu haben, wenn ich meinen kranken Volksgenossen helfend gegenübertrat. In der grossen Arbeitslosigkeit habe ich geschuftet um meinen Angehörigen, die keine Arbeit bekamen, ihrem Lebensunterhalt zu geben. Heute habe ich sechs meiner Neffen an der Front. Es liegt in Ihrer Hand, Herr Senat, einer unglücklichen Frau das Leben zu erhalten. Ich bitte Sie nochmals von ganzem Herzen, meine Tat, die ich sehr bereue, milder zu verurteilen.
Reuevoll
Martha Speer
Gnadengesuch von Martha Speer,
1. August 1944
Bundesarchiv R 3017/34569
Protokoll der Vollstreckung der Todesstrafe gegen Martha Speer,
8. September 1944
Bundesarchiv R 3017/34569















