Hugo Steigleiter

26. Januar 1920, Speyer – 6. November 1940
Hugo Steigleiter

Haftfoto von Hugo Steigleiter

Bundesarchiv R 3017/7008

Hugo Steig­leiter besucht die Volks­schule in Speyer, eine Schule für Schiffer­kinder in Straß­burg und zuletzt eine franzö­sische Schule in Lauter­burg. Im Juni 1933 flieht er mit seiner Familie von Deutsch­land nach Frank­reich, da sein Vater als Kommu­nist verfolgt wird.
Er arbeitet seit 1934 als Matrose auf Rhein­schiffen und lebt in der Woh­nung seiner Eltern in Lauter­burg. Dort lernt er einen Beamten der franzö­sischen „Garde mobile“ kennen, der ihn für Spio­nage­tätig­keiten anwirbt. Gemein­sam mit seinem Stief­bruder Hermann Steig­leiter, der eben­falls als Matrose arbeitet, sammelt er von den Fahrten auf dem Rhein militä­risch-tak­tische Informa­tionen zur deut­schen Rüstung.
Er wird am 27. Oktober 1938 zusam­men mit seinem Stief­bruder und seinem Groß­cousin festge­nommen. Der 3. Senat des „Volks­gerichts­hofs“ verur­teilt Hugo und Hermann Steig­leiter am 19. März 1940 wegen „Vor­berei­tung eines hoch­verrä­terischen Unter­neh­mens und Landes­verrats“ zum Tode.
Hugo Steig­leiter wird am 6. Novem­ber 1940 in der Strafan­stalt Berlin-Plötzen­see ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte von Hugo Steigleiter

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Hermann, Hugo und Josef Steigleiter, 19. März 1940

Bundesarchiv R 3018/10752

Berlin-Plötzensee, den 18.9.1940.

An die Herrn Justiz beim Volksgericht in Berlin.

Ich möchte beiden hohen Herrn mal bitten wie es um meine sache steht. Ich bin jetzt schon ein ½ Jahr hier Zuchthaus, und weihs überhaubt nicht was los ist, und das man mier überhaubt nichts mitteilt. 6 Monerte Feselt man mich im Bett man Fühlt sich gar nicht mer als Mensch! Vor ein Paar Tagen muss ich andere Feseln anziehen bei nacht, das Herz ist, meis schwer geworden als ich diese sah ein Pferd könnte man damit Feseln aber nicht mich die Ecken machen so weh, das man Rote flecken bekommt. Ich fühle mich überhaubt nicht mehr wohl, mitt der gesundheit geht es berg ab, mein Rückkrat macht mies weh, die Augen, und meine Kopfhaut, und Haar valen herraus als ob ich schon ein Alter mann wäre, mitt den den Nerven seht es auch nicht mehr gut, da bei bin ich erst 20.½ Jahre alt davon ich schon zwei Jahre zwischen 4 Wände sitze. Es war jeder Mensch einmal 20 Jahre alt und jedes weis das die Natürlichen tribe beim Mensch sein recht verlangen, keine Macht der Menschheit kann hier ein Gesetz dagegen tun. Und so ist es auch bei mier, wenn es so weiter geht dann werde
ich noch Wanhsing, solche kwalen auszuhalten ist nicht mehr Menschlich. Wenn man mier einmal wieder die Freiheit gibt so will ich auch wieder arbeiten und nicht an einem Krükstock gehen. Man soll machen mitt mier was man will, aber eins will ich euch mein Herrn sagen vor solchen Leute die den Heilige Eid beschmutzen, und Unschuldiges blut vergisen wollen diese Verachte ich! Diese soll der Liebe Gott ins Fegfeuer schiken und in die Hölle: Wenn ich bei der Haupttermine nichte um mein Rechtgekämpft hätte, man weis vo ich heute wäre!, und Trotzdem, habe ich es aussichtslos befunden, so wie man mir behandelt hatte, Ich habe sachen zugegeben die nicht wahr sind. Im Strafgesetzbuch steht das der Herrn Rechtsanwalt nur Vor[?] ist, da hatt er ja zwecklos gekämpft für mich, Ich werde Überhaupt nicht glük daraus aus all diesen sachen Alles geht mier im Kopfe herum und bo[?] und raubt mier meine 5 sinne, Überhaubt des Nachts ist es schlimm. Das Schlimste ist das man ein Zuchthausler aus mier gemacht hatt was soll ich später einmal tun im Leben zu totschämen werde ich mich wenn ich so einmal vor die Schwelle meiner Verwandschaft treten soll. Wenn ich auch gute Briefe von ihnen erhalte so weis ich doch was diese denken!. Aber al dies unklük um einem Meineid willen. Ich ersuche die hohe Herrn mier bitte mittzuteilen wie um meine sache seht.
Matrose. Hugo Steigleiter.

Gnadengesuch von Hugo Steigleiter, 18. September 1940

Bundesarchiv R 3018/10752

Sterbeurkunde von Hugo Steigleiter vom 6. November 1940

Ancestry, Archiv zur Ahnenforschung

Plakat zur Bekanntmachung der Hinrichtung von Hermann und Hugo Steigleiter, 6. November 1940

Bundesarchiv R 3017/7009

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