Peter Stiassny

16. November 1918, Deutsch Brod (Havlíčkův Brod) – 11. Januar 1943
Peter Stiassny kommt am 16. November 1918 in Deutsch Brod (Havlíčkův Brod) zur Welt und wird von Beruf Me­chaniker. Seit 1937 ist er Mitglied der Kommu­nistisch­en Partei der Tschecho­slo­wakei (KPČ).
Nach dem im Herbst 1938 erfolgten Verbot der KPČ und dem Ein­marsch deutscher Truppen nach Prag im März 1939 schließt sich Peter Stiassny Ende April 1940 der illegalen KPČ an, die die Wieder­her­stel­lung der Tsche­cho­slowakei zum Ziel hat. Er ist Leiter einer kommunis­tischen Zelle. Anfang 1940 kauft er einen Ver­vielfälti­gungs­apparat und stellt mehrere hundert Flugschriften her.
Nach seiner Festnahme Mitte Oktober 1940 verur­teilt der „Volks­ge­richtshof” ihn am 29. September 1942 zusam­men mit Paul Kohn, Emanuel Wacher­lohn und zwei weiteren Angeklagten wegen „Vorbe­reitung zum Hoch­verrat” zum Tode. Ihrer jüdischen Herkunft wegen gelten er, Paul Kohn und Edgar Fritz Weiner zusätzlich als „Fein­d[e] des National­sozialismus”. Alle fünf Männer werden am 11. Januar 1943 in Plötz­ensee ermordet.

Dokumente

Gefangenenkarte des Strafgefängnisses Plötzensee von Peter Stiassny

Landesarchiv Berlin A Rep 369 Kartei

Anklageschrift des „Volksge­richtshofs” gegen Paul Kohn und andere vom 11. Juni 1942

Bundesarchiv R 3017/11692

Urteil des „Volksge­richtshofs” gegen Paul Kohn und andere vom 29. September 1942

Bundesarchiv R 3017/11692

Berlin-Plötzensee, den 7.10.1942.

An den Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof in Berlin.

Peter Stiassny, geb. am 16.XI.1918, wurde vom 1. Senat des Volksgerichtshofes am 29.IX.42. zum Tode verurteilt.

Exzellenz, ich bitte um Gnade.
Meine Tat, die ich seit der ersten Stunde meiner Festnahme zugebe, hatt sich im Jahre 1940 abgespielt. Alles, was ich getan, habe auf Anweisung des Georg Hornitz gemacht, und bereue es sehr. Ich bereue es aus diesem Grund, weil ich mich vom Gegenteil überzeugt habe. Als mich in meiner Untersuchungshaft in Bayreuth die Möglichkeit gegeben wurde, mich bei der Arbeit mit den Verhältnissen bekanntzumachen, habe ich das Grosse Werk des Aufbaues im Reich gesehen. Ich habe mich am Aufbau dieses Werkes, zwar nur als unbedeutender Gefangener, aber doch mit Freude und sehr gutem Wille beteiligt. Ich habe 14 Monate lang an verschiedenen Arbeitsstellen geschaffen - (bei der N.S.V., bei Siemens Halske und anderen.) Vom Erdarbeiter angefangen bis zum Fach der Feinmechanik. Es werden auch sicher meine Arbeitgeber bestätigen. - Werkmeister D. Popp, Aufseher im Zuchthaus Bayreuth, Markgrafenallee 49. Oberwachtmeister Engelmann, Aufseher im Zuchthaus Bayreuth, Markgrafenallee 49.

Siemens-Halske, Monteur Theo Müller, Bayreuth, Kulmbacherstr. (welchen ich bei der N.S.V. nach seinem Unfall vollkommen vertreten habe, bei der Montage einer Fernsprechanlage.) Das Baugeschäft Häfner u. Keil, Bayreuth, (Mach) Str. d. 7. Inf. Regimentes.

Exzellenz, bitte lassen Sich mich zu meiner Arbeit zurückkehren, ich will den Menschen durch sie noch etwas nützlich seien.

Ich bitte um Gnade.
Ich verbeuge mich tief, und
danke Ihnen!
Peter Stiassny.

Gnadengesuch von Peter Stiassny an den Oberreichsanwalt vom 7. Oktober 1942

Militärhistorisches Archiv, Prag Deutsche Gerichtsakten – Widerstand in ČSR 1939–1945, k./K. 20, inv. č./Inv. Nr. 48/2

Bekanntmachung der Hinrichtung von Peter Stiassny und anderen, plakatiert Anfang 1943 in Prag

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-255-17

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