Josef Šulc

26. Oktober 1895, Nimburg (Nymburk) – 8. September 1943
Josef Šulc

Portrait von Josef Šulc

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-211-12

Josef Šulc wird am 26. Oktober 1895 in Nimburg gebo­ren und kämpft nach dem Besuch der Realschule als Soldat für das österreichische Heer im Ersten Weltkrieg. In russischer Kriegsgefangenschaft tritt er in die Tsche­choslowakische Legion und nach Kriegsende in die Tsche­choslowakische Armee ein. Nach der Errichtung des „Protektorats Böhmen und Mähren” im Frühjahr 1939 und der zwangsweisen Auflö­sung des tschechoslowa­kischen Heeres scheidet er im August 1939 als Major aus.
Seit Mai 1939 ist er Mitglied der Obrana Národa (ON – Verteidigung der Nation), einer geheimen Orga­nisation tschechoslowakischer Offiziere, die sich nach der Errich­tung des „Protektorats Böhmen und Mähren” gebildet hat und deren Mitglieder versuchen, unter deutscher Besat­zung ein geheimes Heer aufzubauen. Zu diesem Zweck werden von der ON unter anderem die im „Protektorat” verbliebenen Waffen und Sprengstoffe erfasst und politische sowie militärische Nachrichten gesammelt.
Šulc gewinnt verschiedene frühere Offiziere der Tsche­choslowakischen Armee für die ON, denen er aufträgt, militärische Untereinheiten zu bilden. Als sein Stellver­treter und Materialoffizier erfasst der später ebenfalls in diesem Fall angeklagte František Helvín die Waffen- und Sprengstoffbestände in der Stadt Rakonitz.
Beide Männer werden im März 1940 festgenommen und am 27. Januar 1943 zusammen mit drei wei­teren ON-Angehörigen vom 1. Senat des „Volksgerichtshofs” wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” zum Tode verurteilt. Josef Šulc wird am 8. September 1943 während der sogenannten Blutnächte im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.

Dokumente

Haftbefehl des Ermittlungsrichters des „Volksgerichtshofs” gegen Josef Šulc vom 13. Januar 1942

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-211-3

Urteil des „Volksgerichtshofs” gegen Josef Šulc und weitere Personen vom 27. Januar 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-211-7

Berlin-Plötzensee, den 3. Feber 1943.

An Reichs-Justitz-Ministerium in Berlin

Untergeschriebener Josef Sulc, gebor. 26./10.1895 in Nimburg, Bezirk Nimburg „Protektorat“ - der ehemalige major der tschechoslowaquischen Armee bittet um Begnadigung, Milderung und Änderung seiner Strafe.
Die Tat, welche ich begannen habe, wurde in einer Zeit außerordentlicher Erreignissen begangen und meine weitere Existenz war abhängig von der Annahme dieser Funktion.
Ich bitte höfflich um Rücksichtnahme auf diese weiter angeführte Gründe.
1.) In die Organisation trat ich in der Zeit, als mir mein Vater gestorben war, so daß ich durch den Tod erregt, über die Nachfolge nicht nachgedacht habe.
2.) Ich wurde fest überzeugt, daß es zu einem Gewalttat gegen Deutsches Reich niemals kommen kann.
3.) In die Organisation bin ich eigentlich hineingezogen worden durch meinen ehemal. Vorgesetzten general Kravak, dessen Wunsch zu erfüllen ich als alter Soldat für meine Pflicht hielt. Die Verbindung mit ihm habe ich schon im Monat Juli 1939 unterbrochen, so daß meine Tätigkeit aufgehört hatte bevor Deutschland in den Krieg mit Polen hineintrat.
4.) Ich bin Vater von zwei Kindern, für welche und sogleich für meine Gemahlin, die kränklich ist, der Vollzug
der Strafe ein schrücklicher Schlag wäre. Meine Familie würde ganz vernichtet. Dasselbe gilt über meine 72 Jährige Mutter, welche von mir finanziell abhängig war und für welche der Vollzug meiner Strafe den Tod bedeutete.
5.) Meine Familie hat kein Vermögen und lebt von der Pension, welche Sie jetzt verlöre.
6.) Ich habe 18. Jahre im Sudetengaue gedient (Stadt Komotau), wo ich wegen meinem freundlichen Benehmen zu Deutschen von Ihnen geehrt und geschätzt wurde, was ich durch Zeugen beweisen kann. (Major gendarm. Böhm in Budweis -, Karl Wernhardt von Komotau - Sudetengau -, welcher jetzt als Offizier in der Deutschen Armee dient, - Josef Klartney gewesener Unteroffizier von Komotau und andere.
Im Jahre 1937 habe ich mich als Delegierter an der Fest der SDAP. in Komotau beteiligt, was beweißt, daß ich kein Schauwinist war.
7.) Ich bereue aufrichtig meiner damaligen Tätigkeit und um meine Loyalität zu beweisen, bin ich bereit zum jeden Einsatz für neue Europa und Groß-Deutsches-Reich.

Sulc Josef

Berlin-Plötzensee
Gefängniss.

Gnadengesuch von Josef Šulc an den Reichsminister der Justiz vom 3. Fe­bruar 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-211-12

Fernschreiben des Oberreichsanwalts beim „Volksgerichtshof” zur Vollstre­ckung der Urteile gegen Josef Šulc und weiterer Verurteilter vom 14. Septem­ber 1943

Archiv des Sicherheitsdienstes Prag (ABS) 141-211-13

Bericht über die vom 7. bis 10. Septem­ber 1943 im Strafgefängnis Plötzensee vollstreckten Todesurteile, 17. September 1943

Bundesarchiv R 3001/25019

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